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DER KETTENSÄGEN-MASSENWÜRGER
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04.03.18 07:47
bruddl-supp.de 

Moderator

DER KETTENSÄGEN-MASSENWÜRGER

Es klingelt Sturm. Als ich vorsichtig die Wohnungstür öffne, schubsen mich zwei uniformierte Polizisten zur Seite und ein Zivilist dringt in die Wohnung ein. Es ist mein früherer Chef, der unbeholfene Hauptkommissar Xaver Eisenmann.

"Markus, wir brauchen Sie. Ziehen Sie sich sofort an und kommen Sie mit. Der Kettensägen-Massenwürger ist ausgebrochen und hat gedroht, Sie umzunieten."

"Ihr könnt mich mal kreuzweise. Schiebt Eure fetten Beamtenärsche aus meiner Wohnung und lasst mich in Ruhe. Ich bin schon seit zwei Jahren pensioniert, falls Ihr das vergessen habt." Die Situation geht mir wirklich auf den Geist.

"Sie haben doch den Typen eingelocht," bemerkt Eisenmann, "jetzt will er sich an Ihnen rächen."

"Mir doch scheiß egal. Haut bloß ab, ihr nervt."

"Ganz schön taff, der Kollege," sagt einer der Uniformierten.

"Markus war schon immer hart wie Stahl," meint Eisenmann. "Mann, wir brauchen Sie doch bloß als Lockvogel. Sie setzen sich ein paar Tage ans Fenster von Ihrem alten Büro. Wir beleuchten Sie von allen Seiten, dass man Sie gut von der Straße aus sieht. Den Rest machen wir."

"Ja, und das stört mich an der ganzen Geschichte. Da bin ich hier doch wohl sicherer."

"Das hat sich gerade gezeigt, als wir ohne Widerstand in Ihre Wohnung spazierten."

"Eisenmann, Sie wissen, dass ich Sie nicht leiden kann. Verschwinden Sie und nehmen Sie Ihre Gorillas mit. Ich kümmere mich in meinem neuen Leben nur noch um mich selbst, und da brauch ich keine Wachhunde."

"Sagen Sie später nicht, wir hätten nicht alles versucht, um Sie zu retten."

"Ihnen trau ich manches zu. Wahrscheinlich haben Sie dem Kettensägen-Massenwürger gleich meine Privatadresse ins Gefängnis gefaxt."

"Markus, Sie sind der Lockvogel. Wir werden ab sofort rund um die Uhr hier vor Ihrem Hochhaus präsent sein, ob es Ihnen passt oder nicht."

Endlich verlassen die drei Wichtigtuer meine Gemächer und gehen zum Aufzug. In Zukunft würde ich natürlich durch den Türspion schauen, falls jemand klingelt. Mehr kann ich da nicht tun, mit einer Kettensäge kommt man schließlich durch jede Holztür.

Jener kranke Typ hatte früher schon andere Mietkasernen heimgesucht, die Türen zersplittert, den Leuten Fragen gestellt und sie dann erwürgt, wenn diese nicht in seinem Sinn beantwortet wurden.

Natürlich habe ich Angst vor dem Kettensägen-Massenwürger, auch wenn ich gerade noch so getan hatte, als ob mich die Sache nicht juckte. An der Eingangstür zum Wohnblock steht meine Name am Briefkasten und an der Klingel. Es ist da aber nicht erkennbar, dass ich im siebten Stock wohne. Hier oben leben zehn Parteien und nicht jeder hat seinen Namen an der Wohnungstür.

Ich fertige mir am Computer ein neues Namensschild und klebe das mit Tesa außen über das alte. Jetzt steht hier: Eisenmann. Dann rücke ich mir von Innen eine Schuh-Kommode vor die Tür und stelle den Feuerlöscher als Waffe bereit. Nervös laufe ich mit schlotternden Knien in der Wohnung herum und lausche ständig nach draußen.

Und wie bestellt ist plötzlich lautes Geschrei und das Aufheulen einer Motorsäge zu hören. Irgenjemand rennt auf dem Flur an meiner Tür vorbei. Weitere Schritte folgen. Dann hört man das trockene Blaffen von mehreren Pistolenschüssen. Kurz darauf höre ich Eisenmann vor meiner Wohnungstür rumfluchen. Offensichtlich hat er sein Namensschild entdeckt.

Es klingelt wieder heftig. Als ich nicht reagiere, klopft es jetzt mehrmals.

"Markus, machen Sie auf," poltert der Hauptkommissar.

"Ich hab euch vorher schon mal gesagt, dass ihr abhauen sollt, ich hab anderes zu erledigen, als mit euch alte Fälle durchzusprechen."

"Mann, ist das eine coole Socke," hört man jetzt eine andere Stimme, "soviel Mut hätte ich dem alten Sack gar nicht zugetraut."

"Der ist früher schon immer während der Arbeit eingeschlafen," motzt Eisenmann. Dann sind die Stimmen weg. Kurz darauf schaue ich vorsichtig in den Flur hinaus. Am hinteren Ende kann man ein paar Blutspritzer auf dem Boden sehen.

Zitternd kehre ich in meine Wohnung zurück. Das war knapp. Jetzt brauche ich erstmal einen Cognac.

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