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DRUCKWELLEN
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13.10.18 16:53
bruddl-supp.de 

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DRUCKWELLEN

„Leutnant, da hat´s noch einen erwischt,“ hörte ich wen sagen. Mehrere Gestalten in tarngefleckten Kampfanzügen stolperten über die Wiese hinter dem Sozial-Wohnungsblock, in dem ich hause. Sie hielten Maschinenpistolen im Anschlag. Ich lag auf dem Bauch im Gras, warum auch immer, ging dann auf die Knie und rief ziemlich aufgebracht: „Was, zur Hölle, macht ihr hier?“ „Da lebt noch einer,“ brüllte jetzt ein anderer hinter mir. Bringt ihn zur Krankenbetreuung!“

Zwei der Gestalten hakten mich unter den Armen ein und schleppten mich auf die Straße. Dort stand ein Kastenwagen mit einem roten Kreuz. Man legte mich im Heck auf eine Pritsche. Eine Dame im weißen Kittel hielt mir einen Becher an die Lippen. „Brav trinken,“ sagte sie, „das ist ein Beruhigungsmittel. Jetzt brauch ich noch Namen, Alter, Adresse, Krankenversicherung und Beruf.“ Am Kittel der Frau war ein silbernes Schild. Darauf stand Dr. Weber.

„Ronny Stäbler, 42, Breslauer Straße 17,“ log ich, „außerdem bei der AOK und zur Zeit ohne Beruf.“

Das Auto fuhr langsam an. Durch die Seitenscheiben konnte ich erkennen, dass sich der Fahrer zwischen Fahrzeugwracks hindurchschlängeln musste, die überall auf der Fahrbahn standen. Nach etwa einer halben Stunde hielten wir vor dem Gymnasium an, in das mein Neffe gegangen war. An der Turnhalle waren Fahnen angebracht, auf die ebenfalls ein rotes Kreuz aufgedruckt war. Dr. Weber führte mich durch die weit geöffnete Hallentür. Drinnen standen in einer langen Reihe weitere Pritschen. Außerdem standen in den Ecken Tische herum, auf denen Medikamente und Wasserflaschen deponiert waren. Auf den Feldbetten lagen vereinzelt ein paar Leute mit Pflastern und Verbänden. Dr. Weber übergab mich einem anderen Weißkittel. „Der hier ist nicht verletzt. Ihr könnt ihn einteilen. Hat keinen Beruf, aber als Hilfskraft wird’s zur Not gehen.“ Sie nickte mir zu und verließ die Halle wieder.

„Ziehen Sie diesen Mantel an.“ Der neue Weißkittel trug ein Etikett mit der Aufschrift Dr. Grün. Er gab mir einen Pfleger-Umhang. Nun war auch ich ein Weißkittel. „Was ist denn los?“ fragte ich. „Haben Sie den Knall nicht gehört?“ „Nein, ich bin gerade im Garten zu mir gekommen, warum auch immer. Zuvor war ich im Keller.“ „Irgendwas ist mit lautem Krach detoniert, und eine mächtige Druckwelle zischte durch die Stadt. Das Zentrum der Verwüstung liegt wohl in der Innenstadt. Sämtliche Bürogebäude wurden platt gemacht. Überall gab´s Tote und Verwundete. Nur ganz wenige haben überlebt,“ erklärte mir der Arzt.

„Wo kann ich mich da informieren?“ fragte ich. „Gibt es kein Fernsehen oder Radio hier?“ „Funktioniert alles nicht mehr, auch keine Telefone und Computer. Normaler Strom läuft komischerweise noch, auch Wasser.- Mein Gott, da kommt eine neue Ladung Patienten. Sie müssen helfen. Wir brauchen jeden.“

Ich folgte ihm unwillig Richtung Eingang. Ich kann Leute nicht ausstehen, die versuchen mich rum zu kommandieren. Dr. Grün schickte drei leicht Verletzte zum Verbinden in den hinteren Bereich. Mir übergab er zwei offenbar Unversehrte. „Verpass ihnen einen weißen Kittel!“ befahl er mir. „Dann wartet da drüben am Tisch.“

Weitere Patienten wurden eingeliefert. Aber alles in allem blieb es doch relativ leer in der Turnhalle. Offensichtlich gab es wirklich nicht allzu viele Überlebende. „Schwerverletzten bringt man in noch funktionierende Krankenhäuser,“ beruhigte Grün. „Wir müssen hier weitere Ordern abwarten. Es gibt wohl eine Notstandsregierung.“

Er verpasste mir und zwei weiteren Weißkitteln Armbinden mit roten Kreuzen. Dann schickte er uns los, um nach Supermärkten und Apotheken Ausschau zu halten. Wir sollten Verbandsmaterial und Mineralwasserflaschen organisieren. „Fahrt das ganze Zeug am besten im Einkaufswagen hierher,“ schlug Grün vor.

Folgsam zogen wir Auserwählten los und kamen zuerst an eine Drogerie. Die Türen standen offen. „Ich hole Binden und Pflaster,“ sagte einer meiner Begleiter und verschwand im Verkaufsraum. Der nächste ging dann in einen Supermarkt und ich zog in Richtung einer nahen Bäckerei weiter.

Neben der Bäckerei stand die Haustür eines Wohnblocks offen. Neugierig trat ich ein und sah keine Menschen weit und breit. Alle Türen standen auf. Ich schaute in etiche Wohnungen. Da hatte bestimmt jemand dafür gesorgt, dass nirgends mehr Verletzte und Tote herum lagen.

In einem blitzsauberen Apartment im zweiten Stock entdeckte ich einen prallgefüllten Kühlschrank und eine Bar mit sehr vielen Schnapsflaschen. In einer Vorratskammer waren Mengen an Konserven gestapelt. Außerdem gab es in der Wohnung noch einen altmodischen CD-Player und jede Menge dazugehöriger Tonträger. Ich schloss die Wohnungstür und legte die Sicherheitskette vor.

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