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DRUCKWELLEN, Teil 2
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13.10.18 16:45
bruddl-supp.de 

Moderator

DRUCKWELLEN, Teil 2

Unter diesen Umständen beschloss ich, nicht mehr in jene Rot-Kreuz-Turnhalle zurückzukehren. Erstmal würde ich hier alle Vorräte aufzehren und mir dann im Haus weitere besorgen. In der Bäckerei gab es bestimmt auch Kühltruhen, aus denen man etwas bergen und verwenden konnte, und nebenan lag der Supermarkt. Wie das Leben draußen weiter ging, würde ich dann schon irgendwie mitkriegen.

Es war nahezu gespenstisch ruhig in der Gegend. Im ganzen Wohnblock war kein Geräusch zu hören. Weit entfernt vernahm man von der Straße her ab und zu ein Martinshorn, wahrscheinlich von einem Krankenwagen oder einer Feuerwehr.

Eines Tages meinte ich, weit entfernt eine Explosion zu hören. Kurz darauf vibrierten die Fenster, aber sie hielten. Ab dem Zeitpunkt war von draußen überhaupt nichts mehr zu hören.

In irgendeiner Wohnung im Block fand ich im Kleiderschrank solch einen Tarnanzug, wie ihn die Soldaten in meinem Garten getragen hatten. Den würde ich in Zukunft immer anziehen, wenn ich mich außerhalb des Hauses aufhielt – und dazu natürlich die Rot-Kreuz-Armbinde.

Eines Morgens streifte ich am Gymnasium vorbei. Die Türen der Turnhalle standen zwar offen, aber es brannte kein Licht mehr im Inneren. Vor der Schule standen manche Militärfahrzeuge und Krankenwagen. Aber nirgends war ein Mensch zu sehen.

Ich nahm mir einen verwaisten Jeep - die Tankuhr stand auf voll - und fuhr zu meiner alten Wohnung. Dort holte ein paar Sachen ab, die ich noch zu brauchen meinte. Auch hier standen überall im Block die Türen offen. Ob ich wohl nach Geld und Schmuck suchen sollte? Unnötiger Balast – wenn keiner mehr lebt, kann man auch mit niemandem mehr Handel treiben. Ich konnte mir das ja später immer noch besorgen.

Kaum war ich wieder in meiner aktuellen Wohnung, als erneut ein Knall mit heftigen Vibrationen erfolgte. Diesmal zerbarsten das Küchenfenster und die Balkontür. Ich suchte und fand drei Türen weiter ein heiles Apartment und brachte meine Vorräte dort unter. -

Das war jetzt schon die dritte Druckwelle. Auf den Straßen sah man keinerlei Menschen oder Tiere mehr. Wie kam es, dass überall in der Stadt alle Wohnungstüren offen standen und nirgends mehr das Übrigbleibsel eines Säugetiers zu sehen war? Wer machte hier sauber? Was geschah mit den Leichen und Verletzten? Das konnte das kleine Gehirn eines normalen „Homo sapiens“ mit niederem Bildungsniveau kaum auf die Reihe kriegen.

Eines Tages erfuhr ich eine für mich halbgare Lösung. Ich sah abends aus dem Fenster und entdeckte eigenartige Fahrzeuge, die über dem Boden schwebten. Auf Ladeflächen lagen tote oder verwundete Menschen. Auch Hunde und Katzen konnte ich darunter erkennen. Typen in silbernen Raumanzügen und Helmen mit Glasvisieren strömten aus den Häusern. Diese sammelten offenbar die ganzen Verletzten und Kadaver ein. Die Silbernen durchsuchten wohl alle Häuser mehrmals.

Ich durfte nicht auffallen, sonst lag ich demnächst auch auf den Schwebefahrzeugen. Also fertigte ich mir ein Lager im Kleiderschrank und band die Türen von innen zu. Meine Küche räumte ich so auf, dass man nicht erkennen konnte, dass da jemand wohnte. Die Wohnungstür hielt ich ab sofort auch geöffnet. An beiden Enden des Flurs streute ich Glasscherben und trockene Ästchen, so dass ich sofort hörte, wenn jemand den Gang betreten sollte. Dann würde ich mich in meinen Verschlag zurückziehen. -

Nachdem sich ein paar Tage lang weder auf dem Flur noch auf der Straße jemand blicken ließ, setzte ich meine Streifzüge vorsichtig fort. Es gab jetzt auch keine Explosionen und Druckwellen mehr. Dafür war in der Zwischenzeit der Strom ausgefallen. In den ganzen Wohnblocks stank es nach vergammeltem Gemüse und verwesendem Fleisch, weil die Gefriertruhen und Kühlschränke nicht mehr funktionierten. Überall wimmelte es von Ratten und Maden. Aus den Wasserhähnen tropfte bloß noch braune Brühe.

Zeit, sich ein neues Zuhause zu suchen. In einem abgelegenen Villen-Vorort fand ich ein paar kleine Einfamilienhäuser. Aus einem schob ich Kühltruhe und -schrank auf die Straße und von dort zur Tarnung in ein anderes Anwesen nebendran. Jetzt holte ich mir Taschenlampen und Batterien aus den Läden und natürlich jede Menge Wasserflaschen und Konserven.

In der Nähe des Hauses stellte ich verschiedene Autos ab, die noch einigermaßen Sprit im Tank hatten. So war ich auf jeden Fall für längere Zeit mobil.

Im Eingangsbereich spannte ich Schnüre und versah diese mit kleinen Glöckchen. Dies war meine Alarmanlage. Sie wurde ein paar Mal ausgelöst, weil eine Katze durch die Gegend strich und nach Mäusen suchte. Aber Menschen gab es keine mehr. -

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