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EIN KÖTER JAULT
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12.08.18 03:00
bruddl-supp.de 

Moderator

EIN KÖTER JAULT

Schon über zwanzig Jahre wohne ich hier am Dorfrand in meinem kleinen Häuschen. Bis jetzt herrschte immer absolute Ruhe, aber in letzter Zeit hört man nachts ständig einen Hund bellen und jaulen. Der Stimmlage nach muss das irgendwas Größeres sein, Rottweiler, Dogge oder Schäferhund vielleicht. Welchen Grund der Köter für sein Gehabe hat, weiß ich nicht. Soweit mir bekannt ist, geht hier in der Gegend niemand nach neun mehr vors Haus, nicht mal mit tierischer Begleitung. Die schlafen da alle. Folglich bräuchte auch so ein Fellknäuel nicht mehr anzuschlagen.

Ich habe nachts immer die Fenster im Schlafzimmer auf Kippstellung. Aber seit neustem muss ich diese schließen, damit ich das schreckliche Gejaule nicht mehr höre. Vor dem Einschlafen warte ich instinktiv gereizt auf die grässlichen Töne, und die dringen dann sogar durch meine Ohropax.

Langsam habe ich die Schnauze voll und wünschte, diese Töle hätte das auch. Irgendwann kam mir dann die blöde Idee, mal nachts nachzuforschen, auf welchem Grundstück das Vieh rumkrakeelt, damit ich dann irgendwelche Maßnahmen gegen den Besitzer in die Wege leiten kann.

Also gehe ich eines Abends gegen 23 Uhr vor das Haus und nehme eine leistungsstarke Taschenlampe mit, außerdem ein Tierabwehrspray, wie es wohl jeder zu Hause hat. Man weiß ja nie.

Jetzt schleiche ich mich in die Richtung, aus der das Gekläffe kommt. Immer wieder muss ich mich neu orientieren, weil es hier viele kleine Seitenstraßen gibt. Langsam aber sicher wird jetzt das Gebell sehr deutlich und kommt aus einer Hecke vor mir. Ich leuchte vom Zaun aus hinein, kann aber keinen Hund erkennen. Normal müsste der doch schon in meine Richtung wetzen und knurrend geifern. Vielleicht ist er angekettet?

Ich wage mich immer näher an das Buschwerk. Jetzt biege ich ein paar Zweige zur Seite und kann nun eine Hausfassade erkennen, von der die Geräusche ausgehen. Dort gibt es aber keine Hundehütte, wie ich eigentlich erwartet hätte, sondern es stehen zwei große Lautsprecher-Boxen auf der Terrasse davor, und aus diesen kommen jene schrecklichen Kläffgeräusche.

Mit Lautsprecher-Boxen kenne ich mich als früherer Rock-Gitarrist einigermaßen aus. Ich weiß, dass man sie zum Schweigen bringt, indem man die eingestöpselten Kabel herausreißt. Und genau das werde ich jetzt machen.

Mit etwas Mühe klettre ich über die Latten des etwa brusthohen Jägerzauns, der das Grundstück umgibt. Zielstrebig gehe ich dann auf die Objekte meiner Wahl zu. Urplötzlich erfolgt irgendein nerviger Piepton, als ob jemand eine Alarmanlage in Betrieb gesetzt hätte.

Gleich darauf steht der gesamte Garten unter Flutlicht, und die Terrassentür wird aufgestoßen. Eine ältere Dame im Nachthemd stürmt auf mich zu. Ihr folgt ein kleiner Chihuahua, von dem diese seltsamen Kläffgeräusche im Lautsprecher mit Sicherheit nicht stammen mögen.

Was mich am meisten beunruhigt, ist, dass die Dame ein imposantes Jagdgewehr in den Armen hält, mit dem sie auf mich zielt.

„Also doch, genau wie immer befürchtet. Ihr gebt doch niemals Ruhe!“ gilft sie hysterisch, „legen Sie sich auf den Boden, Sie mieser Verbrecher. Hände hinter das Genick verschränken und keinen Mucks! Sie werden mich nicht mehr vergewaltigen. Die Polizei ist verständigt.“

Ihr ekelhafter Begleiter leckt mir kurz darauf die Wange, hebt dann eines seiner Hinterbeinchen und pinkelt nebenan in ein Rosenbeet.

„Hörst du auf, Valentino, doch nicht in meine Rosen,“ brüllt die Alte und tritt nach dem Hundeverschnitt. Dabei stolpert sie und kommt beinahe zu Fall. Ganz nüchtern scheint die ja wohl nicht zu sein.

Das ist meine große Chance, und die ergreife ich auch sofort. Ich springe auf, stürme los, reiße der Hexe das Gewehr aus den Händen, werfe es ins Gebüsch, zücke mein Pfefferspray aus der Jackentasche und verpasse erst der Alten und dann dem Schosshündchen eine ordentliche Dosis.

Irgendwo vom Horizont her ertönt seltsamerweise ein anderes unangenehmes Geräusch. Es ist ein einsames Martinshorn. Da werde ich in dieser aufregenden Nacht wohl noch einiges zu erklären haben.

Es müsste aber doch wohl dem einfältigsten Polizisten auffallen, dass die Alte was an der Klatsche hat. Vorsichtshalber gebe ich den beiden Anwesenden nochmals eine ordentliche Dröhnung meines offenbar wirksamen Sprays, damit ich gleich als erster aussagen kann. Das läuft noch unter Notwehr.

Am meisten ärgert mich jedoch, dass mir am Ende so ein mieser kleiner Kläffer den Arsch gerettet hat. Ich kann Hunde nämlich ums Verrecken nicht ausstehen, ich weiß nicht, ob ich das bis jetzt schon erwähnt habe.

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