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GESPENSTISCH
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15.09.18 05:00
bruddl-supp.de 

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GESPENSTISCH

Neulich weckte mich nachts das aufdringliche Gebimmel meines an der Zimmerdecke des Schlafraums angeschraubten Rauchmelders. Ich knipste die Nachttischlampe ein und erkannte auf dem Wecker die Uhrzeit 2:30. Dann erschrak ich zum zweiten Mal, weil ich eine seltsame Masse durch das Zimmer wabern sah. Bei genauerer Betrachtung handelte es sich um eine fast durchsichtige ältere Dame in einem ausladenden Nachthemd, die hier durch meine Kammer spukte und offensichtlich den immer noch anhaltenden Alarmlärm ausgelöst hatte.

Ich schlurfte ins Bad und holte einen Wischmop, dessen Stiel ich gegen das Zentrum des Melders drückte. Der Alarm ebbte ab, um jedoch gleich wieder loszulegen, als die Dame in seiner Nähe vorbeischwebte. Was sind das für Zeiten, wo man sich nicht mal in Ruhe um ein Gespenst kümmern kann? Ich zog den Rollladen hoch, öffnete das Fenster und versuchte, die wabernde Frau mit dem Mop aus dem Fenster zu schieben. So ein Geist ist aber nichts weiter als eine Art Dunst-Masse. Der Mop glitt durch sie hindurch ohne auf Widerstand zu stoßen. Offenbar hatte das Wesen auch kein Gehör, sonst hätte der Rauchmelder es längst vertrieben.

Die spukende Lady verzog den Mund und rollte die Augen, als ich nach ihr schlug. Aus dieser Reaktion schloss ich, dass sie durchaus in der Lage war, zu erkennen, was um sie herum passierte. Ich wies mit einer Hand Richtung Fester und rief laut „hopp hopp, raus hier!“. Dann stellte ich den Mop in die Ecke, holte aus der Nachttisch-Schublade zwei Paar Wollsocken, zog ein bisschen daran herum und formte ein Kreuz daraus, was ich in Richtung der Spuk-Masse zeigte. Jetzt schien der Mund der Dame zu lachen. Sie schwebte wieder unter den Rauchmelder und ich musste erneut meinem Plastik-Stiel einsetzen. Ich murmelte ein paar Beschwörungs-Sprüche. Bringt das was, wenn einer nicht hören kann? Wohl kaum.

Wie kriegt man Nebel weg? Bestimmt mit Wärme. Ich holte einen Gasanzünder aus der Küche und ein Feuerzeug aus dem Schubfach des Wohnzimmerbuffets. Damit verfolgte ich die nebulöse Gestalt durch das Schlafzimmer und hielt ihr meine züngelnden Feuerchen ans Kleid. Dabei sengte ich die Gardinen am Fenster und die Bettdecke an. In Windeseile bildeten sich riesige Flammen. Der Rauchmelder erstarb, offensichtlich war die Batterie leer. In dem Qualm um mich herum konnte ich die schwebende Dame nicht mehr erkennen.

Als die Feuerwehr anrückte, brannte meine gesamte Wohnung. Zwei der Löschkräfte zogen mich aus den Flammen, als ich ohnmächtig auf dem Boden lag und retteten mir so das Leben.

„In dem Gemäuer gab es vor vielen Jahren schon einmal einen Brandfall,“ klärte mich später der sachbearbeitende Kriminalbeamte auf. „Eine ältere Frau ist im Bett verbrannt.“

Natürlich erzählte ich ihm nichts von meiner Rauchmelder-Bekanntschaft. Schließlich wollte ich die nächsten Jahre nicht in einer Gummizelle abhängen. Das war ein Fehler. Ich hätte mir jede Menge Stress erspart. Es ist nicht so einfach, in einer Großstadt eine Mietwohnung zu finden und sich diese mit bescheidenem Verdienst komplett neu einzurichten. Fast hätte mir die Erscheinung ein sorgenfreies Dasein in einer geschlossenen Einrichtung ermöglicht. Noch will ich jedoch selbst Herr über mein Schicksal sein können oder bilde mir das zumindest ein.

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