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REICHE ERNTE, Teil 2
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10.10.18 08:35
bruddl-supp.de 

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REICHE ERNTE, Teil 2

Seit dem letzten Fund sind nun etliche Monate ins Land gezogen, in denen sich mein Leben auf dramatische Weise verändert hat. Ich bin Haus und Hof los, meine Frau hat mich verlassen, meine Kinder kann ich nicht mehr sehen, und ich lebe fern der Heimat. Kurz und gut: ich habe mich gewaltig verbessert.

Als ich damals diesen Erfolg als Landwirt verzeichnete, bat mich der Reporter der Heimatzeitung, ein kleines Porträt über mich schreiben zu dürfen. Das konnte ich ihm natürlich nicht verwehren, und in seinem Presseartikel wurde auch ein Foto von mir abgedruckt.

Daraufhin erhielt ich zunächst Besuch von dem Juwelier aus der Stadt, der mir überraschenderweise einen fianziell äußerst lukrativen Voschlag machte, aufgrund dessen die auf der Bank gelagerten Schmuckstücke von meinen in seine Schließfächer wanderten. Mir wurde im Gegenzug eine Villa auf einer südeuropäischen Insel übereignet und dort auf einer Bank ein Konto mit beträchtlichem Guthaben eingerichtet.

Dann erhielt ich noch die Aufwartung eines Kleinwüchsigen, der mir im Namen von sich und ein paar Zirkuskollegen Vorhaltungen darüber machte, dass sein Partner verschwunden und er deshalb als Clown arbeitslos geworden wäre. Außerdem bestünde der Verdacht, dass ich Diebesgut von gewaltigem Ausmaß entwendet haben könnte. Allerdings war man sich da nicht ganz sicher, da ich ja nach wie vor wie ein Wahnsinniger ackerte anstatt als Reicher mein Leben zu genießen und den Müßiggang zu pflegen. Da traf er einen wunden Punkt bei mir.

Also verabschiedete ich mich von Frau und Kindern und empfahl ihnen, einen Verwalter für den Hof einzustellen. Ich selbst zog in meine Villa in den Süden. Die arbeitslosen Zirkusleute nahm ich mit und stellte sie als Bedienstete und Leibwächter vor Ort ein, behandelte sie aber wie Freunde und Vertraute. Sie ergaben sich in ihr Schicksal, weil sie bemerkten, dass sie offensichtlich nicht mehr an ihr Diebesgut herankamen.

Da es mir zu langweilig war, nur faul in der Sonne rumzuliegen, legte ich auf meinem Grundstück bei der Villa ein paar gut getarnte Plantagen mit illegalen Pflanzen an, die man gemäß Betäubuns-Mittel-Gesetz eigentlich nicht im Besitz haben sollte. Außerdem richtete ich mir im Keller der Villa ein Labor ein. So nahm auf meiner neuen Heimatinsel der Drogenhandel mächtig Fahrt auf.

Ich war also beschäftigt und konnte mich als geschickter Farmer beweisen, außerdem wurden so nebenher die Gehälter meiner neuen Angestellten finanziert. Auch die führten natürlich unter meiner Obhut ein Leben in Saus und Braus. -

Jedes Wochenende steigen heiße Parties in der Villa. Die Prominenz des Ortes einschließlich Bürgermeister, Amtsrichter und Polizeichef geht bei mir ein und aus. Meine Großzügigkeit wird geschätzt und gerühmt. Fast jede Nacht schläft ein anderes junges Mädchen an meiner Seite.

Da ist es wohl kein Wunder, dass ich so ein Gefühl wie Heimweh nach dem Hof, der Ehefrau und den Kindern gar nicht erst aufkommen lasse. Wenn ich doch mal in besinnlichen Momenten in diese Richtung tendiere, gibt es hervorragende Mittel aus meinem Labor, um solche Gefühle zu unterdrücken. Dazu muss ich noch erwähnen, dass sich meine Frau trotz der Trennung bis jetzt noch nicht von mir scheiden ließ. Sie schickt mir regelmäßig altmodische Briefe mit Fotos der Kinder und der Tiere aus dem Stall.

Für meine Gattin hat sich sowieso nicht viel verändert. Ich bin zwar nicht mehr da, aber sie selbst hat sich bei der Landarbeit noch nie schmutzig gemacht. Die erledigen jetzt ein paar Verwandte von ihr, die auf den Hof gezogen sind. Dabei bewies sie bei der Auswahl offenbar ein glückliches Händchen.

Mein Juwelier besucht mich ab und zu auf dem Anwesen und nimmt an meinen Parties teil. Er pflegt Verbindungen zu allen möglichen Hehlern und Schmuckhändlern auf der ganzen Welt. So hatte sich der reichhaltige Schmuck der Herzöge von Falkenburg in der Zwischenzeit nach und nach in einzelne Edelsteine und Goldschmelzungen aufgeteilt und war überall in fremden Safes und Schatullen untergebracht.

Vor ein paar Monaten konnte ich aus alten Schriften in der heimatlichen Bibliothek erfahren, dass die Herzöge früher ihren Kronschatz ebenfalls per Raub, Diebstahl und Abpressung angehäuft hatten. Kein Mensch brauchte also ein schlechtes Gewissen zu hegen, am wenigsten ich als ehrlicher Finder. Hätte ich damals nicht so fleißig meine Äcker bestellt, wäre ich niemals an den vom ersten Zwerg im Roggen versteckten Schatz gekommen.

Um jenen Kleinwüchsigen tat es mir natürlich leid, aber ich konnte ja auch nicht ahnen, dass er die paar Bisse von meinem Hasso nicht ertragen würde. Ruhe in Frieden, Reichtumsbegründer. Die Schweine haben sich an dir gelabt.

A propos Hasso – ihn vermisse ich wohl am allermeisten. Aber einer meiner kleinwüchsigen Vertrauten will mir nächste Woche einen giftigen Chiwawa besorgen. Da wird er hoffentlich beim Kauf drauf achten, dass das Tier nicht bis an seine Kehle kommt.

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