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SAG ES MIT BLUMEN
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11.10.18 16:19
bruddl-supp.de 

Moderator

SAG ES MIT BLUMEN

Ich bin ein "dufter" Typ. Meiner Nase zuliebe verwende ich künstliche Wohlgerüche in Form von Deodorants, Rasierwässern und schwachen Parfums, die mich Tag und Nacht begleiten dürfen. Außerdem kenne ich mich in der Sprache der Blumen aus.

Wenn ich mit einem Mädchen ausgehe, bringe ich meine Gefühle in Blumengebinden zum Ausdruck. Lilien verschenke ich z. B. als Symbole der Unschuld und Reinheit und erkläre dies bei der Übergabe natürlich auch wortreich. Das führt ab und an dazu, dass ich die Angebetete noch am selben Tag näher kennenlernen darf. Trägt sie dann geblümte Unterhosen, ist das für mich ein willkommener Wink des Schicksals, hier auf jeden Fall dran zu bleiben. Kann ich in diesem Verhältnis dann noch Sonnenblumen als Symbol der Fröhlichkeit und weiße Nelken als Zeichen der Treue weiterreichen, mag ich am Ende mein Glückgefühl per Margeriten und meine Bewunderung mit Orchideen zum Ausdruck bringen. Bei Trennung gibt es immer zu einem bedauernden Redeschwall ein kleines Sträußchen Vergissmeinnicht. Das mochten bisher alle Damen, die ich kennenlernen durfte.

Neulich steckte ich mir eine Gardenie ans Anzugsrevers und verließ meine Wohnung, um den Geschäften nachzugehen. Mein Arbeitgeber ist das Bestattungsinstitut „Die letzte Ruhe“. Dort bin ich als Verkaufsberater angestellt, um schluchzenden Hinterbliebenen überteuerte Holzsärge und verschwenderische Blumen-Arrangements aufzuschwatzen. Abholung der Leichen und deren Aufbereitung liegen nicht in meinem Zuständigkeitsbereich. Mein Büro liegt außerhalb des Instituts. Hier findet man im Ausstellungsraum nur die Aromen edler Hölzer und das Odeur zarter Blüten.

An diesem Vormittag suchte mich eine trauernde Dame auf. Schon nach ihren ersten Worten schätzte ich sie als Veilchentyp ein - diese sind ein Symbol für Bescheidenheit. Trotzdem schacherte sie nicht rum und ließ sich teuerste Ladenhüter aufschwatzen. „Sie haben da mehr Erfahrung als ich und werden schon das Beste für mich und meinen verblichenen Gatten finden,“ sagte sie zum Abschied und ließ eine Träne auf meinen Handrücken tropfen.

Ich beschloss, Erkundigungen einzuziehen, um auszuforschen, ob da eventuell eine Werbung meinerseits Sinn machen könnte. Also zog ich abends Jeans und Sweatshirt an und begab mich in den Ortsteil, in dem die Frau wohnte. Dort ließ ich mir vom Barkeeper einer Kneipe ein frisches Pils mit einer besonders schönen Blume zapfen. Dazu trank ich einen Enzian. Der Wirt kannte die Lady natürlich. Seiner Ansicht nach handelte es sich um eine attraktive, gepflegte Frau in der Blüte ihrer Jahre ohne Launen und Allüren, die offensichtlich viel Pech im Leben gehabt hätte, trüge sie doch nun bereits den dritten Ehemann zu Grabe. Ihre Gatten wären wohl alle ziemlich reich und wesentlich älter als sie gewesen, aber trotzdem starben diese alle viel zu frühe Tode. Überall versagten die inneren Organe. Mir fiel fast der Enzian wieder aus dem Gesicht, als ich dies hörte. Es gab da mal nämlich einen Fall im Institut, wo eine Leiche nochmals ausgebuddelt werden musste. Danach hatte der Gerichtsmediziner Vergiftung durch ein Präparat-Gemisch aus Fingerhut, Herbstzeitlosen und Engelstrompeten nachgewiesen. -

Diesmal war ich bei der Beerdigung auf dem Friedhof, um unsere Arrangements zu überprüfen. Bei der Kondolations-Tour fragte ich die Witwe dann beiläufig: “Haben Sie noch von dem Pflanzengift? Ich bräuchte es für meine Mutter.“ Die Augen der schwarzen Witwe sprühten Feuer. „Besuchen Sie mich doch morgen abend zu Hause. Es gäbe da nach dem Todesfall noch einiges zu erledigen.“ Ob sie wohl Blümchen-Schlüpfer trug? -

Meine größe Sorge ist jetzt: Welche Art von Blumen bringe ich der Dame mit? Ich zaudere kurz und stelle mir dann einen Strauß aus folgenden Blüten zusammen: weiße Anemonen als Zeichen für Aufrichtigkeit, orangene Lilien für Hass und Rache und purpurne Zinnien für Loyalität. Perfekt! In einem dezenten grauen Maßanzug und gepunkteter Krawatte klingle ich am Tor ihres Anwesens. Es handelt sich um eine kleine Villa mit großem Garten und Buschbestand. Das Gartentor wird nach zwei Minuten aufgezogen. Da steht ein feister Mann mit einem grünen Schurz und einem Strohhut, der eine Sense in der einen und eine Axt in der andern Hand hält.

Er starrt auf meine Blümchen und murmelt dann: „Donnerwetter, bei soviel Sachverstand fällt es mir wirklich schwer, Ihnen auf unsere Weise den Tod zu bereiten. Er holt aus und schwingt die Axt in Richtung meines Kopfs.

„Bitte doch nicht so!“ klage ich, „können Sie denn nicht wenigstens in unserem Fall eine unaufdringliche Heckenschere am Hals einsetzen, die mich nicht gar so entstellt?“

„Ja, klar, es tut mir leid,“ sagt er und dreht sich um. Prompt nehme ich die Beine in die Hand und wetze die Straße entlang.

Ich habe nie wieder von der pflanzengiftmischenden Witwe und ihrem gewaltbereiten Gärtner gehört. Diese von mir allerdings auch nicht.

Zuletzt bearbeitet am 11.10.18 16:23

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