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TINTE
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08.12.18 06:40
bruddl-supp.de 

Moderator

TINTE

Schon die alten Ägypter haben vor 3000 Jahren mit Ruß geschwärztes Wasser verwendet, um auf papierähnlichem Grund zu schreiben und zu zeichnen. Danach wurden jene Mittel zur Färbung des Wassers immer mehr verändert. Heute sprüht ein Drucker diese Flüssigkeit auf Papier, wenn ich ihm über den Rechner den Befehl dazu gebe. Es ist aber immer noch die ähnliche historische Mischung, die man als Tinte bezeichnet.

Kurz nach den Ägyptern wurde ich in den 1950er-Jahren eingeschult. Damals gab es in den Klassenzimmern drei oder vier parallel stehende Bankreihen. Tische und Bänke waren mit Eisenstangen ineinander verschraubt, um zu verhindern, dass die Kinder durch ständiges Stühlerücken Lärm verursachen. An jedem Tisch gab es auf den Bänken Platz für zwei Schüler. Der Lehrer saß vorn gegenüber an einem Pult neben einer großen Wandtafel.

In der Mitte der Schülertische gab es am oberen Ende zwei kleine Metall-Kläppchen, die man zur Seite kippen konnte. Darunter befanden sich Glasbehälter mit dunkelblauer Tinte.

Nach der nervig quietschenden Phase mit einer Schiefertafel musste bald jedes Kind einen Federhalter mit verschieden breiten Stahlfedern mitbringen. Die Federn hatten eine kleine Sammelstelle für die Flüssigkeit am oberen Teil. Mit dem breiten Ende wurde die gekrümmte Feder in die entsprechende Nut des Federhalters gesteckt. Dann tunkte man den Halter in das Tintenfass, streifte die Feder am Rand des Glases ab und kleckste anschließend dicke Punkte in irgendein Schreibheft, oftmals auch natürlich in extra Hefte für Klassenarbeiten mit den Titeln „Diktat“, „Aufsatz“ oder „Schönschrift“.

Nun war ich eigentlich immer ein schnell kapierender und lernwilliger kleiner Junge, der auch keine Probleme hatte, nach der vierten Klasse Volksschule die Aufnahmeprüfung fürs Gymnasium zu schaffen, aber meine Klaue konnte kaum wer lesen. An den entscheidenden Punkten waren immer diese verflixten Kleckse verteilt. So hatte ich im Zeugnis unter „Schönschrift“ nie besser als „ausreichend“, was nur noch auf der gleichen Stufe mit „Betragen“ stand. Aber das ist eine andere Geschichte. Zumindest waren die Lehrer meiner Volksschule froh, mich an die weiterführende Oberschule abgeben zu dürfen. Zuvor wurde schon die Möglichkeit eingeführt, mit Kolben-Füll-Federhalter zu schreiben.

Zur Belohnung für den Eintriff ins Gymnasium schenkten mir meine Eltern einen Tinten-Patronen-Füller mit dem Namen „Pelikano“. Ab diesem Zeitpunkt schrieb ich nur noch mit diesem Gerät. Es gab kaum mehr Kleckse auf meinen Schularbeiten, und meine bevorzugte Farbe war „königsblau“. Man konnte sogar meine Schrift jetzt einigermaßen lesen.

Die gute alte Schulzeit – sie ist längst Vergangenheit. Dann trat irgendwann ein neues Schreibgerät namens „Kugelschreiber“ in mein Leben. Bei dem wird aus einer Schreibmine dicke Tintenpaste in eine Spitze gepresst, mit der man dann wieder ordenlich herumklecksen kann. Nun ja, man ist´s ja von klein auf gewöhnt.

Mein neues Arbeitsgerät wurde dann allerdings die allgemein übliche und laut klappernde Büro-Schreibmaschine, bei der man immer wieder das Farbband ersetzen und die Typen mit Knet reinigen musste. Das war die erste Erfahrung mit einer Tastatur.

Die gute alte Tinte färbte beim Auswechseln des Bands natürlich wieder meine Finger ein. Aber als es keine dieser Farbbänder mehr im Laden zu kaufen gab, musste ich zum Schreiben wohl von der alten Maschine auf einen Computer umstellen.

Investitionen ohne Ende. Komplikationen, die kein Mensch sich erklären kann. Man ist hilflos ohne irgenwelche Spezialisten. Irgendwann hat man all diese fürchterlichen Anfangsprobleme hinter sich gebracht. Man ist einigermaßen fit bei der Bedienung und will geistige Ergüsse ausdrucken.

Plötzlich ist die Druckerpatrone leer. Man muss wechseln und liest die Bedienungsanleitung, wenn man sie endlich mal nach zwei Stunden in einem „Geräte-Manager“ gefunden hat.

Ich will hier nicht endlos weitermosern und über Verzweiflungsanfälle, Ehekrisen und Schreib-Blockaden berichten, aber Fakt ist, dass meine Hände und Klamotten beim Auswechseln der Patrone nach wie vor gewaltig mit Tinte versifft werden.

Ich führe ständig ein kleines Schreibheft mit, wenn ich unterwegs bin, um mir Notizen für igendwelche Gedicht-Entwürfe zu machen. - Was benütze ich da aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen mit dem gefärbten ägyptischen Wasser? Natürlich einen Bleistift Härtegrad HB. Und wer hat wohl die Bleistifte erfunden? Die alten Ägypter, aber bereits vor 5000 Jahren. Hätte ich nur immer damit schreiben dürfen. Mit Bleistift habe ich eine wunderschöne Handschrift!

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