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VALENTINS MUSIKZAUBER
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09.07.18 20:21
bruddl-supp.de 

Moderator

VALENTINS MUSIKZAUBER

Eigentlich wollte ich heute gar nicht in die Kneipe. Ich war zu Fuß auf dem Heimweg von meiner Arbeitsstätte, und meine Frau erwartete mich wie immer zum Abendessen. Ein paar Meter vor meiner Wohnung traf ich jedoch einen meiner fidelen Nachbarn auf der Straße. Wir wechselten ein paar Worte, und er erzählte mir einen alten Witz vom berühmten Komiker Karl Valentin. Dann schleppte er mich in den „Goldenen Anker“ ab, und natürlich folgte ich ihm ohne größeren Widerstand, obwohl ich ahnte, dass der nette Nachbar wohl dort an der Stelle schon auf mich gewartet hatte.

Ich war nicht das erste mal im „Goldenen Anker“, und die Leute am Stammtisch begrüßten mich freudig erregt mit lautem Hallo-Geschrei. Der Wirt stellte mir einen vollen Bierkrug unter die Nase, ging dann kurz ins Hinterzimmer und kehrte sofort darauf mit einer abgewetzten Wanderklampfe zurück.

Eigentlich hatte ich heute keine große Lust zu singen, aber als ich in die erwartungsvollen und erhitzten Gesichter um mich herum sah, wagte ich es nicht, diese Leute zu enttäuschen. Also stimmte ich die Gitarre kurz, nahm einen ordentlichen Schluck von meinem Gerstensaft und fragte dann scheinheilig, was ich denn jetzt spielen sollte, obwohl ich die Antwort bereits im Voraus kannte.

„Spiel die Rittersleut!“ „Ja, aber alle bekannten und unbekannten Verse!“ „Genau, auch die von den olympischen Spielen!“ „Ja, und vor allem die mit der Erotik!“

Also grölten wir gemeinsam das alte Lied, dessen Urfassung einst genau jener berühmte Komiker Karl Valentin komponiert und getextet hatte. Beim gemeinsam geschmetterten Refrain bebte das Gemäuer der Gaststätte. Die Sänger strahlten und jauchzten, es war fast, als ob man sie verzaubert hätte.

Jetzt drängten immer mehr Gäste von draußen in den „Anker“, und das Wirtsgesicht glänzte vor Wohlwollen. Er vergaß nie, mir bei jeder Gesangspause ein frisch gezapftes Bier hinzustellen.

„Heut abend spielst du besser als gestern“, bemerkte mein fideler Nachbar, wobei er mir zuprostete.

Alles ging seinen Gang, praktisch wie immer. Irgendwann gegen Mitternacht kam ich nach Hause. Meine Frau wartete im Wohnzimmer auf mich und schaute mich grinsend an.

„Na, du musstest heute bestimmt wieder alle hundert Rittersleut-Verse singen. Du wirkst völlig fertig. Ab ins Bett jetzt, du solltest früh raus zur Arbeit. Und morgen abend hole ich dich mit dem Auto im Geschäft ab, und wir fahren direkt nach Hause. Wird Zeit, dass du dir mal eine Pause gönnst!“

„Oh ja, das wäre mir sehr recht,“ lallte ich, „mir hängt dieses Lied gewaltig zu den Ohren raus.“

Kaum hatte ich mich hingelegt, streckte meine Frau beide Hände aus und umarmte mich von hinten. Dann merkte ich, wie sie an diesen besagten Ohren herumspielte und leise den Vers vom „Ritterfräulein Zenzi“ hineinsang. Selbstverständlich wurden daraufhin ihre Erwartungen trotz meines erbärmlichen Zustands ohne größeren Widerstand erfüllt.

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