Gedichte

Normale Version: BESENWIRTSCHAFT
Du siehst gerade eine vereinfachte Darstellung unserer Inhalte. Normale Ansicht mit richtiger Formatierung.
Schau, da hängt der Reisigbesen
den mit Weinlaub man bekränzt
wo der Weingärtner im Wohnraum
seinen eignen Wein kredenzt

hat die Möbel ausgelagert
in den Kellerraum inzwischen
um für Zecher Platz zu schaffen
hier mit langen Bierzelttischen

Puh, das ist ja ziemlich voll hier
und ein Mief hängt in der Luft
Sauerkraut mit Schweiß und Rotwein
das ist ein verweg 'ner Duft

Es gibt sehr viel ält 're Leute
die hier rumschreien und schwitzen
nach der roten Antlitzfarbe
wohl hier auch schon länger sitzen

Uns der Wirt weist an zwei Plätze
in den Räumen, in den engen
muss man sich hier ohne Ängste
mitten in die Masse zwängen
  
Filderkraut und Bauernbrot mit
Kesselfleisch und Leberwurst
sorgt hier in der dicken Wärme
bei uns für enormen Durst

Und die Wirtin schenkt uns Wein ein
aus bemalten Steingut-Krügen
malt auf Bierdeckel uns Striche
die unter den Gläsern liegen

Mit den Henkelgläslein prosten
wir den lieben Nachbarn zu
und die Stimmung steigt gewaltig
Freundschaft schließen wir im Nu

Laut ertönen alte Lieder
über liederliche Mädchen
die an Donau-Ufern leben
oder fern in Polenstädtchen

In die uns bekannten Weisen
stimmen fröhlich wir mit ein
dabei glühen unsre Wangen
pausenlos gibt 's neuen Wein

Durch die Zimmer schallt Gelächter
lauter wird 's von Stund ' zu Stunde
auch, wenn man die Witze kennt schon
die jetzt machen hier die Runde

Als der Wirt mahnt, aufzubrechen
fängt man an, mit ihm zu streiten
bis hier jeder dann bezahlt hat
dauert es noch Ewigkeiten

Meine Strichzahl auf dem Deckel
ist gewaltig nach der Feier
all das habe ich getrunken?
Dieser Abend, der wird teuer

Doch die größte Überraschung
kommt, als ich das Haus verlasse
meine Beine sind wie Gummi
als ich torkle durch die Gasse

und die frische Luft bewirkt noch
dass mir schwindlig wird und schlecht
Unser Auto steht da vorne
laufen kann ich nicht mehr recht