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IN DAS ALTER
#1
Langsam komm ich in das Alter,
da ich lieber bleib zu Haus,
anstatt neugierig zu streben
in die wilde Welt hinaus.

Es gibt Läden um die Ecke,
auch der Arzt ist nicht weit weg,
wozu soll ich mich entfernen
fort hier vom bequemen Fleck?

Ich kenn viel zu viele Leute
die ich nicht mehr möchte seh 'n,
auch zu oft besuchten Plätzen
will ich einfach nicht mehr geh 'n.

Hab erfahren manches Übel,
reichlich Possen schon erlebt,
jetzt bin ich an jenem Punkt, an
dem man nicht nach neuem strebt.

Bald es würde mich nicht wundern,
wenn die Kirchenglocke dröhnt,
dass man tief in seinem Innern
sich nach seinem Glauben sehnt,

den man früh schon hat verworfen,
weil man es für Humbug hielt,
wenn ward mit dem Fegefeuer
man bedroht und aufgewühlt.

Kleine Englein fand ich lustig,
mich ergriff auch Orgelschall,
all die vielen frommen Lieder
sang ich mit gern früher Mal.

Fünf Minuten bis zur Kirche,
das muss doch zu schaffen sein,
und man kommt ohne Kontrolle
in die Bankreihen hinein.

Inbrünstig kann ich dort beten,
weil man es so recht nicht weiß,
ob man kommt nach seinem Tod gar
ins gelobte Paradeis.

Meine Frau sagt: "Hör bloß auf jetzt,
du klingst, dass sich Gott erbarm,
lass uns Winter-Urlaub buchen
für acht Wochen, wo 's ist warm,

und wir geh 'n am Meer spazieren,
milde Sonne, fester Strand,
dann sind wieder die Gedanken
in die Gegenwart gewandt."

Notgedrungen bin dabei ich,
skeptisch, doch dann überzeugt,
in das Alter mit der Kirche
man sich später zu wohl neigt.

Doch es wird bestimmt so kommen,
jetzt mach ich das Beste draus,
und mit jedem Langzeiturlaub
zögre ich es weiter raus.
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