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WANDLUNG EINES NETTEN HERRN
#1
Im Viertel hier gab 's einen Herrn,
der hatte kleine Kinder gern,
gab ihnen Bonbons und Baisers
und Eistüten in den Cafés.

Er lachte mit verzücktem Mund,
ließ Kleine streicheln seinen Hund,
sie auch in seinem Auto fahr 'n,
die Racker mit ihm glücklich war 'n.

Er grüßte alle Eltern nett,
er wirkte reinlich und adrett,
und jeder Bürger mochte ihn,
weil er nur lieb und freundlich schien.

Dann kam ein frischer Pfarrer her
in unsre Kirche, der gleich sehr
misstrauisch, hart und herrisch war 
als Hüter seiner neuen Schar.

Der hat den netten Herrn verflucht,
weil Kindesnähe der gesucht
und hat ihm Sünden nachgesagt.
Der Schreck davor hat die geplagt,

die bisher dachten sich nichts groß,
saßen die Kinder auf dem Schoß
im Auto von dem netten Mann,
jetzt aber fielen Zweifel an.

Es war kein einzger Fall bekannt,
dass jener Herr gelegt die Hand
an einen Kleinen irgendwie
mit sexueller Fantasie.

Ein Pfarrer aber weiß wohl schon,
von was er spricht, er kriegt ja Lohn,
damit er Sünden rottet aus
bei Predigten im Gotteshaus.

Die Stimmung bei uns, sie schlug um,
man ließ die ganzen Kinder drum
nicht in die Nähe dieses Herrn,
der sie doch hatte wohl so gern.

Man schimpfte mit ihm, jagte gar
ihn fort von seiner Kinderschar,
er wusste nicht, wie ihm geschah,
stand er doch allen sonst so nah.

Doch nun, geächtet und verfemt,
hat er verzweifelt sich geschämt.
Er zog von diesem Viertel fort,
sein Lachen schwand aus unsrem Ort.

Sehr viele wissen, jener Mann,
der unterlag dem Kirchenbann,
tatsächlich nur, und das ist trist -
im Herzen jung geblieben ist.

Ein Priester, der sich so erregt,
wohl andre Maßstäbe anlegt,
es gibt, man mög es mir verzeih 'n,
Erfahrung aus den eignen Reih 'n!
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