Wenn Sie uns unterstützen möchten verwenden Sie für Ihren nächsten Einkauf bei Amazon diesen Link.

Themabewertung:
  • 0 Bewertung(en) - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
EIGENTLICH 2
#1
Eigentlich wollte ich am Samstagmorgen gegen zehn bloß kurz zum Bäcker rüber, um ein paar Brezeln fürs Frühstück einzuholen. Im Verkaufsraum traf ich einen alten Kollegen, den ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte.

Eigentlich wollte ich die Brezeln meiner Frau nach Hause bringen, aber zufälligerweise hatte die Kneipe gegenüber der Bäckerei schon geöffnet. Da war doch wohl klar, wo mein Kumpel und ich landen würden. Wir hatten ja auch wirklich viel zu besprechen.

Eigentlich vertrage ich keinen Alkohol und auf nüchternen Magen schon gar nicht. Also wurde ich wie immer unleidlich und fing mit dem Bekannten, dem Wirt und weiteren Gästen einen zünftigen Streit an, in dessen Verlauf die Fäuste flogen und reichlich Blut floss.

Eigentlich bin ich recht stark in meinem Jähzorn, aber die Mehrheit obsiegte. Man packte mich am Kragen und warf mich vor die Wirtshaustür, wo ich an der Hauswand lehnte und mir mit Papiertaschentüchern das Wundsekret abtupfte.

Eigentlich wollte ich jetzt meine Ruhe haben. Aber der Bäcker von gegenüber kam aus seinem Laden und übergab mir eine Tüte. „Sie haben Ihre Brezeln vergessen, mein Herr!“ Ich dankte und schämte mich wegen meines Zustands vor ihm.

Eigentlich trinke ich keinen Alkohol,“ erklärte ich ihm. „Ich werde dann immer ausfallend und lege mich mit allen an.“ „Soll ich Ihre Frau anrufen, dass Sie sie mit dem Auto abholt?“ fragte der Bäcker hilfsbereit.

Eigentlich ist das sehr nett von Ihnen, aber leider keine gute Idee. Meine Gattin kann es nicht ab, wenn ich trinke oder in Kneipen verkehre. Da dreht sie durch, weil sie ja weiß, was mit mir los ist. Dann muss ich mir wieder wochenlang diese täglichen Vorhaltungen gefallen lassen. Das ist kaum zum Aushalten, sage ich Ihnen!“

Eigentlich sind Sie ein armer Teufel, mein Herr,“ bemitleidete mich der Bäcker.
Dann zog er einen kleinen silbernen Flachmann aus der Schürzentasche und nippte
daran. In der Zwischenzeit hatte ich eine der Brezeln verputzt und fühlte mich bedeutend besser. „Kann ich bitte auch ein Schlückchen?“ bat ich.

Eigentlich sollte ich das vermutlich nicht unterstützen, aber Sie tun mir leid, mein Herr!“ Ich nahm einen ordentlichen Zug aus der kleinen Pulle, dann erhob ich mich und streckte meine Glieder. „Jetzt fühle ich mich wieder richtig stark.

Eigentlich wollte ich ja nach Hause, aber zuerst werde ich mal da drinnen Kleinholz aus der Kneipe machen. Und jetzt verschwinde, du alberner Teigkneter! Solltest du dich eigentlich nicht um deine Kundschaft kümmern?“
Zitieren


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste