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GRUSS AUS DER VERGANGENHEIT
#1
Ich bin ein Arbeitnehmer mittleren Alters und bewohne seit kurzem hier eine 3-Zimmer-Wohnung in der Vorstadt. Ich bin alleinstehend, aber PartnerIn suchend.

Letzten Samstagvormittag schlenderte ich in der Innenstadt über einen Flohmarkt, der dort regelmäßig statt findet. Ich hatte kein bestimmtes Kaufobjekt im Auge, ließ aber trotzdem meine Sinne schweifen – und schon hatte es mich wieder erwischt.

Auf einem alten Stereo-Plattenspieler lag eine leicht verzogene 45er-Single und vermochte, durch Drehbewegungen einen melodiösen Schmachtfetzen in meine Gehörgänge dringen zu lassen. Glücklich sang ich mit. Den Titel hatte ich ja mindestens schon 30 Jahre lang nicht mehr gehört. Ach, was hingen da für Erinnerungen dran!

Die kleine Melodie stammte von den Britischen Inseln. Sie ging mir den ganzen Tag nicht mehr aus dem Kopf. Ständig war ich am Summen oder Pfeifen. Zu Hause öffnete ich erstmal die Fenster und ließ frische Luft in die Räume. Dann nahm ich meine antike Konzertgitarre von der Wand und stimmte sie durch. Jetzt schaltete ich meine zweite PC-Festplatte ein und suchte unter „Coverversionen englisch“ die alphabetisch geordneten und mit Begleit-Akkorden versehenen Songtexte durch. Natürlich hatte ich das Stück. Nach der dritten Wiederholung klang es recht passabel.

Jetzt hörte ich dieselbe Weise aus der Wohnung von gegenüber. Eine gepflegte Dame meines Alters ließ sich dort kurz am geöffneten Fester sehen. „Tolles Lied,“ rief sie mir zu, „das hatte ich schon total verdrängt.“ „Ja, scheint ein Gruß aus der Vergangenheit zu sein. Hätten Sie eventuell Interesse, mehrstimmig zu singen: ich besitze jede Menge Vorlagen?“ Prompt erfolgte eine Einladung ihrerseits zu Kaffee und Kuchen für den nächsten Nachmittag.

Es wundert mich nicht. Für solche Situationen wurden sie schließlich geschrieben, diese melancholischen Grüße aus der Vergangenheit. Machen wir das Beste draus und hoffen, dass nicht wieder irgendein Musikinstrument auf meiner Schädeldecke zerschlagen wird. Dieses Mal gehst du ganz behutsam und taktvoll vor und fällst nich gleich am ersten Abend wie ein Wilder über die neue Kollegin her!
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